Dominikanischer Bernstein – die Geschichte des blauen Goldes Teil 1

Blauer Bernstein – zur Geschichte und Wissenschaftliches TEIL 1


Dominikanischer Bernstein – die Geschichte des blauen Goldes

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„… eine Halskette aus Gold, mit Bernstein Perlen geknüpft …“

Homer
Odyssee, Buch 15, 459-465, B.C.E.


Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Herbst / Winter 2009 Ausgabe des InColor Magazins veröffentlicht, von der International Colored Gemstone Association, Autor Hermann K. Dittrich. Und von uns exklusiv ins deutsche übersetzt.

Als Christoph Kolumbus die Insel Hispaniola in der „Neuen Welt“ betrat, war Bernstein bereits eine bekannte Ware in Europa, die bereits seit der neolithischen Zeit genutzt wurde.
Während seiner Reise schrieb Kolumbus in einem seiner Briefe, dass er sogar eine Bernsteinhalskette einem der Taino Stammeshäuptlinge auf Hispaniola als Geschenk überreichte. Der Admiral notierte auch Funde von großen Bernsteinstücken, die er auf der Insel selbst fand. darunter „ein Stück von dreihundert Pfund.“ Obwohl ihn dies ermutigte zu glauben, dass es mehr als nur Schätze auf Hispaniola [1] zu finden gab, beschlossen er und seine Conquistadore ihren Blick auf Gold statt dem Dominikansichen Bernstein zu richten..


Fünfhundert Jahre und ein Völkermord später hatte Hispaniola keine Tainos mehr, oder noch viel von seinem Gold übrig. Stattdessen teilte sich eine Bevölkerung in zwei Nationen – Haiti und die Dominikanische Republik. Obwohl es zufällige Bernsteinfunde von Einheimischen gab, begann die wahre Erforschung und Förderung dieses Materials erst in den 1960er Jahren, mit kleinen Bergbaubetrieben und der ersten Schmuckherstellung.
Langsam trat der blaue Bernstein aus dem Schatten seines Bruders, dem baltischen Bernstein. In den 80er Jahren gab es kleinere, aber aufstrebende Gemeinden von Bergleuten und Handwerkern rund um das Gebiet von La Toca, einem Gebirgszug zwischen der Küstenstadt Puerto Plata und der Stadt Santiago de los Caballeros im Norden, Und um Bayaguana und Sabana de la Mar im Osten [2].
In den 1990er Jahren erhielt Dominikanischer Bernstein einen unerwarteten Auftrieb dank Steven Spielbergs Film Jurassic Park und befand sich plötzlich im internationalen Rampenlicht, hier lag die besondere Betonung jedoch noch auf den sich in Ihm befindenden Fossilen. Später mehr dazu


Wenn Sie einen Blick auf Dominikanische Bernstein werfen, ist das erste, was Sie bemerken werden, die Vielfalt der natürlichen Farbvariationen [3].

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Dominikanischer Bernstein, im Englischen dominican amber, oder im Spanischen amber azul genannt – wird nicht wegen seiner Farbe „amber“ genannt. Diese Verwirrung rührt vom sprachlichen Ursprungs des Begriffs „amber“ her. Die meisten Etymologen verfolgen den Begriff zurück zu Ambergris, ein arabisches Wort, das von den Kreuzfahrern nach Europa gebracht wurde – Die Bezeichnung ambre gris bedeutet grauer Amber, also grauer Bernstein. Dieser Name entstand, weil Ambra an Stränden angespült wird. Es ist jedoch kein Bernstein sonder ist eine graue, wachsartige Substanz aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen. Sie wurde früher bei der Parfümherstellung verwendet. Heute ist sie von synthetischen Substanzen weitgehend verdrängt und wird nur noch in wenigen teuren Parfüms verwendet.[4]


Innerhalb all dieser sprachlichen Verwirrung ist es interessant zu bemerken, dass nur etwa die Hälfte des Bernsteins der in der Dominikanischen Republik gefunden wird streng genommen „bernsteinfarben“ ist. Der Rest gibt die Fülle des gesamten Farbspektrums wieder: weiß, gelb, rot, lila, grün, blau und alle Schattierungen jenseits davon und dazwischen. Dominikanischer Bernstein erfässt sogar das unsichtbare Ultraviolett-Spektrum, da es fluoreszierend ist.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der sogenannte „blaue Bernstein“, da er wegen des dicht gepackten polycyclisch aromatischen Kohlenwasserstoff-Perylens blau ist. Es absorbiert hochenergetische Ultraviolett-Photonen und gibt sie nach der Absorptionskurve des jeweiligen Fluorophors wieder als niederenergetische sichtbare Photonen ab. [5]. Diese natürliche Fluoreszenzfähigkeit veranlasst den Bernstein, seine Strahlkraft besonders unter Sonnenlicht zu erreichen und eine lebendige und sich ständig verändernde blaue Färbung zu schaffen. Unter Ultraviolett-Beleuchtung (bei praktisch jeder Wellenlänge) wird die sichtbare Photonenemission zu einem bemerkenswertem milchblau. Die Ursache dieser Färbung wird auf die Bestrahlung zurückgeführt, die irgendwann während ihrer Diagenese auftrat.

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Von allen natürlichen dominikanischen Farbvariationen ist blau die absolut kostbarste und ist bei Sammlern und High-End-Juwelieren sehr begehrt. Jedoch werden nur etwa 50 Kilo blauen Bernsteins in höchster Qualität gefunden. Und selbst von den mittleren Qualitäten des so begehrten blauen Bernsteins werden nur knapp 300 Kilo Jährlich gefördert. Wenn diese Zahl mit den 26 Tonnen Edelstein-Diamanten verglichen wird, die pro Jahr abgebaut werden, macht dies blauen Bernstein zu einem der seltensten und exklusivsten Edelsteine auf unserem Planeten.

Im Mittleren Osten ist der blaue Bernstein besonders für die Herstellung von Gebetsketten, so genannten Misbahas bzw. Tespihs sehr gefragt, während sich wiederum in China und Japan eine kleine Nische von Handwerkern entwickelte, die aus blauen Bernsetin wunderschöne geschnitzte Stücke herstellen, die für viele tausend Euro auch auf dem deutschen Markt zu haben sind!

Neben diesen unglaublichen fluoreszierenden Eigenschaften, was den dominikanischen Bernstein so besonders gegenüber dem baltischen Bernstein macht, und was viele Sammler oft an Opal erinnern lässt, ist bei dem Dominikanischen Bernstein die Fülle, Verschiedenartigkeit und der nahezu Perfekt erhaltene Zustand der fossilen Einschlüsse, was diesen Bernstein so erhaben werden lässt. Die Vielfalt ist immens: 1 Einschluss auf je 100 Stück Bernstein, während der Baltische Bernstein etwa 1 Inkluse pro 1000 Stück enthält. Dieses hohe Verhältnis in Verbindung mit seiner nahezu gleichmäßigen natürlichen Transparenz erlaubte eine detaillierte Rekonstruktion des tropischen Oligozäns und des Miozäns.

 

 

[1] Edward Everett Hale (1891) The Life of Christopher Columbus from His Own Letters and Journals and Other Documents of His Time. Massachusetts Historical Society. Chicago: G. I,. Howe & Co. [2] Wilfred Wichard und Wolfgang Weitschat (2004) Im Bernsteinwald. Gerstenberg Verlag, Hildesheim, ISBN 3-8067-2551-9. [3] Corday, Alec (2006). Dominican Amber Mines: The Definitive List. blueamberblog.com. [4]https://de.wikipedia.org/wiki/Ambra[5] L. Linati and D. Sacchi, V. Bellani, E. Giulotto (2005). doi:10.10.1063/1.1829395, The origin of the blue fluorescence in Dominican amber. J. Appl. Phys. 97, 016101.

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